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Aufbau-Leistung

Zu den berühmtesten Hochwildrevieren Deutschlands zählt ohne Frage der Darß im hohen Norden von Mecklenburg-Vorpommern. Bekannt wurde das Gebiet nicht zuletzt durch Ferdinand von Raesfeld, dessen Name das örtliche Forst- und Jagdmuseum trägt. KIMME & KORN besuchte es.....


Der Altmeister

Ferdinand von Raesfeld (1855-1929)(sprich: Raasfeld) würde man heute sicherlich mit dem Begriff »Macher« umschreiben. Denn wer schafft es schon neben einer zeitaufwendigen, leitenden Position umfangreiche Fachbücher und Romane zu schreiben? Zudem war er dafür bekannt, dass er auch vor Auseinandersetzungen mit Dienstherren nicht zurück schreckte. Von Raesfeld kam am 29. September 1855 in Dorsten/Westfalen zur Welt. Seine Laufbahn begann mit einer Forstlehre in Rumbeck an der Weser, worauf er Forstwissenschaften in Eberswalde studierte. Bereits als Referendar lernte er neben weiteren Revieren den Darß kennen und fand besonderen Gefallen an diesem Gebiet. Nach Arbeitsstellen in Rußland und an der Nahe erfüllte sich der Traum des Königlich-Preußischen Forstmeisters: Er trat am Neujahrstag 1891 seinen Dienst als Revierverwalter der Oberförsterei Darß an.

Es gelang ihm, durch Aufforstung auf etwa 2000 Hektar Brachfläche wertvolle Einstände für das Rotwild zu schaffen und erreichte mit dieser Maßnahme dessen Standorttreue. Zudem konnte er in diesem Revier die drei Hegeprinzipien anwenden, die er ausgearbeitet hatte. Weiter konnte er die Wirkung seiner Arbeit beobachten und die »Hege mit der Büchse« einführen. Unter dem Strich erzielte er auf dem Darß so hohe Qualität des Wildes, wie es sie hier zuvor nicht gab.

Sein Durchsetzungswille kostete von Raesfeld schließlich seinen Arbeitsplatz. Nach Ansicht des Forstmeisters schoß Prinz Eitel Friedrich, der seit 1903 auf dem Darß jagte, zu viele alte Hirsche ab, was schließlich zum Zerwürfnis zwischen beiden und im Jahr 1913 zur vorzeitigen Pensionierung von Raesfelds führte. Bis zu seinem Tod am 6. Mai 1929 lebte er in Süddeutschland und wurde in Prien am Chiemsee beerdigt. Doch bereits ein Jahr darauf wurden seine sterblichen Überreste exhumiert und auf den Darß überführt. Dort setzte der Allgemeine Deutsche Jagdschutzverein ihn am 4. Mai 1930 in einem Ehrengrab im Darßwald bei. Noch heute besuchen hier viele Jäger den »Altmeister des deutschen Weidwerks«.@

Noch vor nicht allzu langer Zeit gab es wohl kaum einen frisch gebackenen Jungjäger, der als Gabe nicht ein Buch des Autors Ferdinand von Raesfeld erhielt. »Das Rotwild«, »Das Rehwild«, »Das Deutsche Weidwerk« und »Hege in der freien Wildbahn« heißen die bis heute lesenswerten Werke des Königlich-Preußischen Forstmeisters, die er während seines Wirkens auf dem Darß schrieb. Dazu kommt eine ganze Reihe Romane. Sämtliche Werke sowie weitere alte Jagdbücher lassen sich in Vitrinen und Schränken des Forst- und Jagdmuseums in Born auf dem Darß bewundern.

Es ist in einem malerischen Reetdach-Haus untergebracht und liegt auf dem Grundstück der »Alten Oberförsterei«, welche die Leser des Buchs »Verklungen Horn und Geläut« von Wolfgang Frank kennen. Vor Ort können sie viele in dem Werk beschriebene Details entdecken, bis hin zum einst berühmten Hundezwinger.


Im Bereich der Einfahrt findet sich sogar der Steinblock, den Nazigröße und Reichsjägermeister Hermann Göring als Aufstiegshilfe aufs Pferd nutzte.  »Hermanns Trittleiter« wird der Block genannt. Alles in allem verwundert es nicht, dass nach der Wende viele Jäger dieses Areal besuchten. Und wer im Herbst die Zeit der Hirschbrunft trifft, kann dem Röhren der stolzen Tiere sogar vom Museum aus lauschen (Reise-Info).

Einmalige Exponate

Schon 1991 begann der Leiter des Museums, Gerd Karrasch, als Schwerpunkt seiner Aufbau-Leistung eine umfangreiche Dokumentation des von Raesfeld-Lebenslaufes zusammen zu tragen. »Damals hatte ich noch viel Zeit für die Suche. Heute arbeite ich mehr im Museum und führe die Besucher«, meint Karrasch mit leichtem Bedauern in der Stimme im Gespräch mit KIMME & KORN. Im Oktober 1996 öffneten sich schließlich die Türen des Hauses für die Freunde von Jagd und Wald.

Info

Anschrift

Borner Forst- und Jagdmuseum »Ferdinand von Raesfeld«
Chausseestraße 64
D-18375 Born a. Darß

(038234) 3 02 97, Fax 30 29

www.entdeckemv.de
 

Anfahrt

Von Rostock aus über die B 105 Richtung Stralsund und vor Ribnitz-Damgarten nach Ahrenshoop abbiegen. Wer die Abfahrt verpaßt nimmt die nächste Richtung Fischland-Darß.
Übernachtung und Urlaub

Museumsbesucher können die Fahrt übrigens mit der ganzen Familie unternehmen, da die Gegend für jeden etwas bietet. Gerade in Born findet siich eine große Zahl von Übernachtungs-Möglichkeiten, häufig in herrlichen historischen Häusern. Dabei bleibt selbst in der Hochsaison der Touristenrummel wie in Ahrenshoop oder Prerow außen vor, jedoch muss trotzdem rechtzeitig gebucht werden. Zudem bieten sich eine Menge Möglichkeiten für Wanderungen zu Fuß oder per Fahrrad. Nicht zuletzt liegen Bodden und Ostsee nur wenige Minuten entfernt.

Kurverwaltung Born
Chausseestraße 75
18375 Born a. Darß

(038234) 208 oder 50 40, Fax 5 04 31

Neben den Raesfeld-Exponaten können sie die jagdliche Geschichte des Darß ab 1815 betrachten. Weiter bietet das Museum eine fast vollständige Reihe von Abwurfstangen eines Rothirschs vom Darß sowie teils abnorme Rehgehörde und Hirschtrophäen. Den Höhepunkt bildet jedoch das Ganzkörperpräparat zweier untrennbar verkämpfter Rothirsche, das weltweit einmalig sein dürfte – zumal der linke Augsproß des einen Hirschs den Oberkiefer seines Gegners durchbohrte.

»Beim Fund der Tiere kamen viele glückliche Umstände zusammen, die das Präparat erst ermöglichten. Das begann bereits mit dem Fund der Hirsche bereits zwei bis 2 1/2 Stunden nach ihrem Sturz in einen Wassergraben gefunden, in dem sie ertranken. Und das Wasser kühlte die Körper, was die Verwesung bremste«, erklärt Karrasch.


Zukunft fraglich


Abgesehen von den jagdlichen Ausstellungsstücken trug der  Museumsleiter reichlich Material zusammen, das einen historischen Rückblick auf die Arbeit in der Forstwirtschaft bietet. So konnte er die Geschichte der Harzgewinnung ebenso wie die Entwicklung von der Zug- bis zur Motor-Kettensäge belegen. Selbst eine von zwei Mann zu bedienende Wehrmachts-Kettensäge und ein seltenes russisches Exemplar zählen zum Fundus.


Jedoch gibt es Karraschs nicht zuletzt für die Jagdgeschichte wertvollen Arbeitsplatz derzeit leider »nur« als ABM-Stelle, die im Herbst auslaufen soll. Hoffentlich bleibt er dem Museum erhalten, zumal der Aufbau längst nicht abgeschlossen ist und es noch reichlich weiteres Potenzial von überregionaler Bedeutung besitzt. @














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